Original und Fälschung
Gourmetverbrechen auf der Spur
Immer wieder kommen in den Romanen des Münchner Journalisten und Autors Michael Böckler gefälschte Weine ins Spiel. Und in seinem jüngsten, „Tödlicher Tartufo“, wird offenbar, dass sich auch das vorsätzliche „Verwechseln“ von Trüffelarten großer Beliebtheit erfreut. Die Betrügereien rund um exklusive Weine und Trüffeln entspringen nur zum Teil der Fantasie des Autors: Im wirklichen Leben sind sie weit verbreitet und bleiben häufig unentdeckt. Umso größer die Schlagzeilen, wenn mal ein Schwindel auffliegt: Da werden italienische Edeltropfen wie Sassicaia gefälscht oder erweisen sich sündhaft teure Raritäten wie alte Latour- oder Lafite-Jahrgänge als billiger Fusel. Da kommt schon mal mehr Prosecco in den Verkauf als überhaupt produziert wird, und es werden chinesische Billig-Trüffeln in wertvolle schwarze verwandelt. Oder man findet in weißen Albatrüffeln sogar Schrotkörner …
Während in Michael Böcklers letztem Kulinarikfall ganze Lastwagenladungen italienischer Kultweine gestohlen werden, erliegt der Autor in „Tödlicher Tartufo“ abermals der Lust am Fälschen: Kurzerhand funktioniert er einen minderwertigen Rotwein in einen teuren Barolo um – mit kellertechnischen Tricks und Etiketten, die leichter zu fälschen sind als Geldscheine, aber keinen geringeren Gewinn versprechen.
Weinfälschungen: Latour? Lafite? Papperlapapp!
Das Fälschen von Weinen setzt zwar kriminelle Energie voraus, ist aber relativ leicht zu bewerkstelligen. Es bleibt häufig unentdeckt – und kann ausgesprochen rentabel sein. Grundsätzlich lassen sich drei Arten von Fälschungen unterscheiden:
Da sind erstens Konsumweine wie Prosecco oder Chianti, die in großen Mengen über Discounter verkauft werden. Hier kommt es immer wieder zur wundersamen Vermehrung: Billige Tankweine aus Süditalien werden umdeklariert und tauchen hier zu Lande als Chianti oder Prosecco in den Regalen auf. So ist zum Beispiel eine große deutsche Discounterkette vor Jahren einem Lieferanten aufgesessen, der über drei Millionen Flaschen gefälschten Prosecco in den Handel gebracht hat. Beim Chianti sind Schwindler aufgeflogen, die rund fünf Millionen gefälschte Flaschen nach Deutschland geschleust haben – zu konkurrenzlos niedrigen Preisen. Darüber hinaus bleibt es ein Rätsel, wie es sein kann, dass in manchen Jahren allein in Deutschland so viel Prosecco getrunken wird wie insgesamt im Weinbaugebiet von Conegliano-Valdobbiadene produziert wird.
Zweitens bieten sich teure Kultweine wie Sassicaia oder Pétrus für Fälschungen an. Bei genauer Prüfung erweisen sich die Etiketten als Farbkopien, die Kapseln entsprechen nicht dem Original, auch die Steuerbanderolen (bei DOCG-Weinen) sind nachgemacht. In einer Lagerhalle bei Pisa wurden einmal 17.000 getürkte Flaschen 1994er Sassicaia entdeckt. In Hamburg gelangte ein Bricco dell’Uccellone auf die Weinkarten der Gastronomie, der statt edlem piemontesischen Barbera billigen Tafelwein aus Süditalien enthielt. Außerden darf es bezweifelt werden, dass jede Flasche Pétrus, die für teures Geld in Moskau, Hongkong oder Shanghai entkorkt wird, im französischen Pomerol seinen Ursprung hat. Wenn der Inhalt nicht gerade grottenschlecht ist, fällt die Fälschung womöglich gar nicht auf.
Um es den Kopisten etwas schwerer zu machen, sind viele Produzenten von teuren Weinen dazu übergegangen, die Etiketten mit Wasserzeichen oder Silberfäden fälschungssicher zu machen. Und über das Internet kann man etwa jede einzelne Flasche Brunello über die Steuernummer identifizieren und bis zum Erzeuger zurückverfolgen.
Lesetipp
Michael Böckler
Wer stirbt schon gerne in Italien?
EUR (D)
8,99
Michael Böckler
Verdi hören und sterben
EUR (D)
9,95
Michael Böckler
Tödlicher Tartufo
EUR (D)
8,99