Der kleine Rubin von Mumbai – oder: Besser als Bollywood
Rubinas Ausflug zum Walk of Fame nach Los Angeles – und zurück in die indischen Slums.
Ein Mädchen wächst in den Elendsvierteln von Mumbai auf. Da geschieht das Unvorstellbare: Die kleine Inderin wird für eine Rolle im Hollywood-Film Slumdog Millionär gecastet. Damit beginnt für Rubina Ali der märchenhafte Aufstieg vom Aschenputtel zum gefeierten Weltstar. In „Slumgirl“ erzählt sie die Wahrheit über die Zeit vor, während und nach Slumdog Millionär. Ein berührendes Memoir, das zeigt, dass die Wirklichkeit abenteuerlicher sein kann als jedes Filmscript.
Ihre Geschichte ging um die Welt: Rubina Ali, eine Neunjährige aus den Slums von Mumbai, wird aus über 1.500 Kindern ausgewählt, um eine der tragenden Rollen im Hollywood-Streifen Slumdog Millionär zu spielen. Und so, wie es der männlichen Hauptfigur Jamal Malik im Film gelingt, in der indischen Talkshow „Wer wird Millionär“, die 20-Millionen-Rupien-Frage richtig zu beantworten, knackt auch Rubina den Jackpot ihres Lebens. Das Casting ist ihre vermutlich einzige Chance, der Armut zu entkommen. „Slumgirl“ ist eine Gänsehautgeschichte, die die Frage aufwirft: Werden Wünsche wirklich wahr, wenn man nur fest genug an sie glaubt? Denn Rubina träumt bereits ihr Kinderleben lang den Traum, Schauspielerin zu werden. Von einer Minute zur anderen findet sie sich in einem modernen Märchen wieder ...
Vom indischen Slum auf den roten Teppich
Rubina erzählt in „Slumgirl“ alles über ihren kometenhaften Aufstieg: von ihrer Entdeckung im Armenviertel über die Dreharbeiten bis hin zur Oscar-Verleihung in Hollywood. Sie berichtet von ihrer Reise in die USA, vom Eintauchen in eine unbekannte Welt, von den Begegnungen mit Hollywood-Stars und vom gigantischen Medienrummel um ihre Person. Plötzlich steht Rubina im Blitzlichtgewitter, gibt Interviews und versucht, den Erwartungen von Journalisten, Fremden und Freunden gerecht zu werden. Nach dem Ausflug in die fremde Galaxie ist die Landung in Mumbai alles andere als sanft. Plötzlich kursieren Gerüchte, nach denen Rubinas Vater versucht habe, seine Tochter zu verkaufen.
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Rubina schildert ihre Rückkehr in die Slums eindringlich – und berichtet von den Problemen, in ihrem alten Leben wieder Fuß zu fassen. Der Kontrast könnte nicht krasser sein: Acht Oscars, vier Golden Globes, Ruhm und Reichtum für die Amerikaner – aber wie soll das Leben der indischen Kinder weitergehen? Es sind vor allem diese Fragen, an denen sich die öffentliche Diskussion rund um Slumdog Millionär entzündet: Hat man die Jungstars nur benutzt und nach dem internationalen Erfolg fallen lassen? Ist Hollywood sensibel genug mit den unterprivilegierten Kindern umgegangen? Haben die Macher Rubina samt ihrer hoch fliegenden Wünsche abstürzen lassen?
„Slumgirl“ ist Rubinas Version der Geschichte
Das autobiographische Buch gibt Rubina nun die Möglichkeit, der Öffentlichkeit zu sagen, was in Indien und Amerika wirklich geschah, was sie erlebt und wie sie empfunden hat. Sie nimmt Stellung zu den Vorwürfen gegen ihren Vater und lässt die Leser ihren Zukunftstraum mitträumen: Schauspielerin zu werden und nach Hollywood zurückzukehren. Und während man die zu Herzen gehende Geschichte dieses außergewöhnlichen Mädchens liest, drückt man ihr feste die Daumen. Man kann ihr nur wünschen, dass sie zu einer glücklichen Frau heranwachsen, ein selbstbestimmtes Leben führen darf. Und dass sie für ihren Traum vom Ruhm keinen zu hohen Preis zahlen muss.
Die Autorinnen
Rubina Ali lebt nach wie vor im Slum von Mumbai. Nach Slumdog Millionär hat sie Werbespots sowie einen weiteren Kinofilm gedreht. Sie besucht in Mumbai eine englische Schule, um ihren Traum von einer internationalen Schauspielkarriere eines Tages wahr werden zu lassen. Anne Berthod ist Autorin und Journalistin. Sie hat ein Jahr in Indien verbracht und lebt nun in Paris. Divya Dugar ist Journalistin und lebt in Neu Delhi.
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