Christian van der Ploeg über den One-Night-Stand und seine Folgen
Der Autor des Romans "Badewannenblues" verrät fünf Grundregeln für die erfolgreiche Pirsch und den Morgen danach
Die Basics vorab!
Welcher Mann – und logischerweise welche Frau – kennt das nicht? Man hatte eine mehr oder minder gute Nacht mit einem Partner seiner Wahl, und am nächsten Morgen weiß man nicht, wie man sie oder ihn wieder loswird.
Aus männlicher Perspektive beginnt so eine Nacht oft mit dem bewussten Vorsatz der Pirsch. Immer wieder aber auch völlig unerwartet aus dem Nichts – das sind die interessanteren Nächte. Unverhofft kommt oft, heißt es ja so schön.
Man geht also mit einem oder mehreren Freunden los und nach einigen Cocktails oder Bier hat man sich genug Mut angetrunken, um das Objekt seiner Begierde anzusprechen. Natürlich ist es sinnvoll, nicht zu viel zu trinken, da ein Kerl mit Alkoholfahne, glasigem Blick und lallendem Unsinn in den seltensten Fällen die Damen erreicht, die auf seiner Liste oben stehen. Also Vorsicht! Zu Beginn des Abends wollen Männer wie Frauen sich natürlich nicht unter Wert verkaufen und loten ihr Gegenüber genau aus. Das führt häufig dazu, dass man eine tolle Partie an der Bar stehen lässt, beobachtet, wie sich etliche Jungs die Zähne an ihr ausbeißen, während sie ständig auf den Shining Prince wartet. Je weiter der Abend fortgeschritten ist, desto leerer die Lokalität und die Auswählmöglichkeiten werden ab ein oder zwei Uhr nachts deutlich dezimiert. Der Effekt: immer mehr Typen lassen die Prinzessin an der Bar links liegen und widmen sich stattdessen zugänglicheren weiblichen Wesen. Und irgendwann beobachtet man dann frustriert, wie ein totaler Looser die Lady einfach anquatscht, weil er eh nichts zu verlieren hat, und sie aufgrund fehlender Alternativen mit ihm von dannen zieht. Man denkt sich natürlich ‚Ich Idiot, das hätte ich sein können’, hat sich aber blöderweise soviel Alkohol zum Muttrinken reingeknallt, dass man seinen Sitzplatz nicht mehr ohne Drehwurm verlassen kann.
An Abenden, wo mehr Mut und weniger Alkohol im Spiel ist, gelingt es einem auch häufig nach der einen oder anderen Abfuhr, doch noch irgendwo zu landen. Hierbei sollte man sich im Klaren sein, ob der One-Night-Stand eher zur Triebabfuhr dient oder ob tatsächliches Interesse an der holden Dame besteht. Ich persönlich kann von Ersterem nur abraten. Auch sollte man sich einem kurzen Alkoholcheck unterziehen, ob man die Dame am Tag oder unter weniger Alkoholeinfluss trotzdem als attraktiv empfinden würde. Es muss nicht nur um die Optik gehen, sondern natürlich auch, wie sie insgesamt vom Typ her wirkt. Schließlich sind nachts alle Katzen grau und man will ja kein – im wahrsten Sinne des Wortes – böses Erwachen erleben.
Der Tag danach …
Natürlich kann man einfach die Augen wieder schließen und hoffen, dass sie weg ist, wenn man die Augen das nächste Mal öffnet. Das geschieht aber in den seltensten Fällen.
Eher passiert es, dass man mit getrübten, aber üblen Erinnerungen alleine aufwacht, sich im nachhinein Vorwürfe macht und froh ist, dass sie sich stilvoll und heimlich verdrückt hat. Nur um dann von frischem Kaffeegeruch und Geschepper in der Küche daran erinnert zu werden, dass das Leben meist kein Wunschkonzert ist.
Hier hilft normalerweise die „Augen zu und abwarten“-Taktik nicht. Außer, sie wäre so dreist sich Kaffee zu machen und dann einfach zu gehen. Wobei das so frech wäre, dass es schon wieder was hat.
Man sollte daher im Vorfeld für sich abklären, ob man sich vorstellen kann, die Dame wieder sehen zu wollen. Ich persönlich kann nur raten: wenn nicht, sollte man das Ganze besser ganz sein lassen, da unterm Strich von Aufwand und Ertrag mit Sicherheit ein Ungleichgewicht entsteht. Dass man mit einem Mädel zweiter Wahl plötzlich eine Beziehung aufbauen will, ist eher unwahrscheinlich. Natürlich stehen sich hier Theorie und Praxis wie Katze und Hund gegenüber, und jedem ist schon passiert, dass er sich nicht ganz aufs Aufwachen freut.
Die Alternative liegt auf der Hand: Einfacher, wenn auch feiger, ist es, bei ihr und nicht bei sich selber zu übernachten. Da lässt es sich schneller verschwinden, mit oder ohne Telefonnummer, Abschiedsbrief oder Kuss. Wenn das Interesse doch größer sein sollte, kann man ja aufstehen und anfangen, Kaffee und Frühstück zu machen. Und sie muss sich überlegen, wie sie einen dezent los wird …
Summa summarum!
Um sicherzustellen, dass ein One-Night-Stand und seine Folgen nicht in einem Desaster enden, sollte man fünf Grundregeln beachten:
1. Nicht zu viel und damit sie oder ihn schön trinken!
2. Auch wenn nachts alle Katzen grau sind, tagsüber sind sie es nicht und daher besser jemanden wählen, den man auch bei helllichtem Licht ertragen kann!
3. Den Abend offen auf sich zukommen lassen, da passiert in der Regel mehr als bei festem Vorsatz.
4. Am besten geht man zum anderen, dann kann man sich notfalls heimlich davonstehlen oder auch offen gehen; zumindest bleibt einem das peinliche „Rausschmeißen“ erspart.
5. Sollte das nicht gelingen und man riecht morgens den frischen Kaffee, den man lieber alleine trinken wollte, dann bleibt nur die Flucht durchs Fenster und abwarten. Hängt natürlich von der Etage ab …
Viel Erfolg!
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